Fage MC - Der Dichter unter den Rappern

Es lohnt sich ein zweites Mal hinzuhören, wenn Fage seine Emotionen fließen lässt. Fernab ausgetrampelter Pfade im Deutschrap malt der hungrige junge Rapper mit seinen Worten farbenfrohe Bilder in die Welt, die von Düsternis und Hoffnung zeugen.

„Jedes Pigment schreit laut vor Lebendigkeit!“ (Fage - Schwarzmalerei)

Auf dem neuen Album „Verderb und Gedeih“ erwartet den Hörer sprachgewaltiger Rap in seiner Reinform, getragen von den Kompositionen des Rock-Produzenten Frank Zumbroichs.

Fage schafft es, mit seiner markanten Stimme und seinen von Tiefsinn und Emotion gezeichneten Texten, Hörer bis weit über die Genregrenzen hinaus zu erreichen. Ohne Kompromisse rappt er über menschliche Abgründe ("Büchse der Pandora"), die Krebserkrankung von Angehörigen („Sterben für dich“), Amok-Fantasien von Versagern („Bestie“) und die Kehrseite der Wahrheit („Was ist Wahrheit?“). Dennoch überwiegt das positive Konzept des Albums als aufgehendes Samenkorn mit dem Potential ein gewaltiger Baum zu werden, spätestens auf dem hoffnungsfrohen „Gepflanzt zu gedeih’n, gebor’n um zu leben“.

Auf „Verderb und Gedeih“ befinden sich Features der Nu Metal-Band nulldB, deren Gitarist Frank Kühnlein auch alle Gitarren auf dem Album einspielte, und der koreanischen Ausnahmepianistin Younee, die auf ihrem Flügel den Song "Wahrheit" einläutet. Dass seine Verse nicht nur unter Rap-Fans Anklang finden, zeigen auch seine Erfolge auf zahlreichen Poetry-Slams sowie die Anerkennung, die ihm eine Vielzahl von Dichtern und Schriftstellern aussprach, nachdem er 2010 auf dem Internationalen Poesie Festival in Granada/Nicaragua gelesen hatte.

Fage weiß, wovon er spricht, wenn er uns beispielsweise in seinem Song „Schwerelos“ die unvorstellbaren Lebensbedingungen von Kindern in der dritten Welt vor  Augen führt. 2009-2010 lebte Fage in Nicaragua, dem ärmsten Land Mittelamerikas, wo er sich ehrenamtlich engagierte und mehrere Entwicklungsprojekte ins Leben rief. Unter anderem initiierte er mit dem österreichischen Violinisten Johannes Kranz, unterstützt von der deutschen Kulturstiftung Pan y Arte, ein großes Musikprojekt, die „Opera Reggaeton“, zur Förderung und Vernetzung junger Musiker aus modernen Musikrichtungen wie dem Rap und dem Reggaeton, sowie klassischer und ethnischer Musik.

Aufgewachsen am Bodensee, kehrte der 21-Jährige Fage Mitte 2010 in seine Geburtsstadt Tübingen im Herzen Baden-Württembergs zurück. Bewaffnet mit einem Stift, zurückgezogen im Herzen der Stadt, wuchs Text um Text, füllte sich Blatt für Blatt, bis es vollbracht war. Entstanden ist ein außergewöhnliches Rap-Album.

Verderb und Gedeih

„Ich pflanz ´n kostbaren Samen, mit jedem meiner Verse

leg mein Innerstes hinein, steck ihn in fruchtbare Erde“

(Fage - Gepflanzt zu gedeih'n, gebor'n um zu leben)